Dresden China - So ging’s 1985 los,

die neue Deutsche Welle ging ihrem Ende entgegen. Es war Sommer 1985 in Deutschland. Neue Instrumente waren auf den Markt gekommen, neue Synthesizersounds eroberten die Gunst der Hörer, Gruppen wie Alphaville, Cars oder Bangles, Trio Rio oder Bronski Beat mischten mit im popmusikalischen Zeitgeist Europas.

Der war auch an Uli Werdin und Werner Littau aus Bad Homburg und Frankfurt in Deutschland nicht vorübergegangen. Beide kannten sich von den legendären „Hubert Kah“ Live-Shows mit Nachthemd und Zwangsjacke auf der Bühne und aufblasbaren Puppen mit weit aufgerissenen Mündern, die man übers Publikum schweben ließ. Uli Werdin war als Tourmanager, Werner Littau als Keyboarder engagiert worden.

Der Augenblick war günstig im Sommer 1985. Die Tonstudio-Bosse der Music Park Studios in Bad Homburg – Theo Werdin und Klaus Zundel, auch Produzenten der Erfolgstitel mit Hubert Kah (Rosemarie, Sternenhimmel, Einmal nur mit Erika) waren in Urlaub. Im Tonstudio in Bad Homburg lief außer Sommerhitze nichts. Uli war hier seit längerer Zeit heranwachsender Tontechniker unter der Fuchtel vom älteren Bruder Theo und sollte in der Ferienzeit das Studio hüten.

Der Befreiungsschlag bahnte sich an, die Band Dresden China

Ulrich Werdin - Lead vocals
Werner Littau - Keyboards
Lutz Sommer - Guitars
Wahrmut Sobainsky - Drums
Patrice T.Bass Jones - Bass
Stephan Neumeier - Guitars
Jürgen Beckmann - Keyboards

Was Alphaville können, das kriegen auch wir hin, natürlich mit eigenem, unverkennbarem Stil. Dieser Gedanke von Uli und Werner war wohl eine Art Weichenstellung. Und ein millionenschweres Tonstudio, dass 1985 im Urlaubssommer (etwas heimlich und abenteuerlich) kostenlos von den beiden Musikern genutzt werden konnte, tja, das wurde eben genutzt.

Uli Werdin und Werner Littau trafen sich dann in den Music Park Studios in Bad Homburg, dem reichen Kurstättchen vor den Toren Frankfurts am Main. Sie aktivierten die komplette „urlaubsverschlafene“ Ton-Technik (damals alles analog) und legten los – Tag und Nacht - mit ihren 24-Track Demos zum Projekt „Meißner Porzellan“, englisch: Dresden China.

Dann ging alles Schlag auf Schlag. In kurzer Zeit hatten die beiden in Tag- und Nachtarbeit zahlreiche Demo-Kompositionen fertig gestellt. Die zwei Richtigen hatten sich also getroffen. Uli und Werner als die Songwriter und Uli als Sänger von Dresden China. Als Sänger war er zuvor nie in Erscheinung getreten.

Theo Werdin, Eigentümer der Tonstudios kam nach etwa 4 Wochen aus seinem Urlaub zurück und saß noch leicht zitternd, wegen des Fluges und der allgemeinen Umstellung von Urlaub auf Arbeitsleben, im Regieraum. Uli drückte im Studioregieraum auf Start, um seinem Bruder die Demos vorzustellen.

„Ich schämte mich damals, als ich das gehört hatte, dafür, dass ich am Meer lag und faulenzte, während mein Bruder eine so geile Musik entwickelte. Mit Werner Littau zusammen hatte er die Weichen für das spätere Album „Dresden China“ gestellt. Ehrlich gesagt hatte ich auch Tränen in den Augen, ich war überwältigt, so etwas hätte ich von den Beiden nie erwartet.“ Sagt Theo Werdin heute zur damaligen Situation.

Theo bot die Songs sofort der Plattenindustrie an und RCA mit dem A&R Manager „von Auersberg“ bekam den Zuschlag. Von Auersberg wollte allerdings, dass die endgültigen Produktionen mehr Rock-Gitarren-orientiert sein sollten. Ein Wunsch, der noch heute umstritten ist.

Schließlich erhielt Theo Werdin den Produktionsauftrag von der RCA mit der Folge, dass dringend notwendige Produktionsgelder ins Tonstudio flossen.

Dann begann zwischen Produzent Theo Werdin und seinem damaligen Partner Klaus Zundel ein dramatischer Kampf um die Produktionsrechte an Hubert Kah, die Firmenrechte der Musik Park Studios, der Produktionsfirma und auch der Produktionsrechte an Dresden China. Die Musikindustrie in Deutschland horchte auf. Dresden China wäre dabei fast untergegangen. Keiner von Beiden, weder Theo Werdin noch Klaus Zundel hatte letztlich diesen Streit unversehrt überstanden. Aber schließlich unterlag Klaus Zundel und die tolle Produktion mit Dresden China konnte störungsfrei für die RCA erstellt werden. Es war wie ein Wunder, an das in den Anwaltskanzleien und Gerichtssälen zeitweilig keiner mehr geglaubt hatte.

Die Produktion des Albums lief mit besten Voraussetzungen an: Viele namhafte Musiker mit Theo Werdin als Produzent brachten Dresden China musikalisch zum damals angesagten Sound. Parallel wurde auch die Live Band “Dresden China” realisiert.

Es lief sehr gut an, aber leider geriet die Band mit ihrem Album „Dresden China“ in die Zeit des Umbruchs der Vertriebsfirma RCA. RCA wurde von BMG-Ariola übernommen. Die Nachfolger konnten sich wohl um Dresden China nicht mehr so kümmern, wie die Band das verdient hätte. 2012, 26 Jahre Später konnte es nun zu einer Neuveröffentlichung durch Pokorny Music kommen. Pokorny Music ist ein Label, das sich in Deutschland erfolgreich um Wiederveröffentlichungen von Musik-Alben aus den 80ern kümmert.

Ja, und der Produzent  der 80er-Jahre Theo Werdin hat sein Archiv 27 Jahre lang zusammengehalten und die Tapes von Dresden China im Jahr 2012 in einer alten Garage aufgespürt. Heute ist er 64, und er erinnert sich noch gerne an den großen TV-Auftritt von Dresden China mit der atemberaubenden Dresden China Live Band bei P.I.T. (Peter Illmanns Treff im ZDF) 1986 mit: „Fire and Rain“. Dazu gab’s tausende silbernfarbene Anstecknadeln für das Publikum. Das Motiv: Die zwei gekreuzten Schwerter.

Theo Werdin, der schon 1985 / 1986 die komplette Produktion und Tontechnik für Dresden China durchführte, hat die analogen Original-Bänder des Albums von Dresden China im Juni 2012 (26 Jahre später) für Pokorny Music Solutions und alle interessierten Hörer digitalisiert und neu gemastert. Das bedeutet: mit moderner digitaler Audiotechnik aufgefrischt, Frequenzgänge verbessert, Alterungsspuren der analogen Bänder wegen 26 Jahren Lagerzeit bei Frost und Hitze restauriert, den Sound etwas druckvoller und offener gestaltet und vieles mehr - eine Heidenarbeit, die HiFi Liebhabern und allen anderen bestimmt noch mehr authentische Hörfreude bereiten wird, als es der Sound auf Vinyl-Platten von damals vermochte.

Auch die original Tonbänder mit den Demoaufnahmen zum Album von Dresden China aus 1985 und sogar unveröffentlichte Demo-Songs wurden im alten Archiv gefunden.

Einige Hör-Beispiele sind der Neuveröffentlichung des Albums auf CD jetzt beigefügt. Sie wurden hierfür bewusst nur leicht korrigiert um die damalige Ursprünglichkeit und Soundentwicklung zu zeigen.

Erinnerung an Dresden China 1985 - 2012